Bildgeschichten | Bilder im Entstehen

Realistic Paintings, New Realism Art, Artists, Artwork, Figurative Art, Figurative Painting, Contemporary Fine Arts, Manfred W. Juergens
Im Atelier | Fertigung einer Bildtafel

‣ Familienbildnis

© MWJ

01/06/2017

‣ Bosse im Wald

© MWJ

17/06/2017

‣ Bremer Hahn

© MWJ

11/04/2017

‣ Pietà

© MWJ

23.05.2013

‣ Fehlende Bodenhaftung

© MWJ

23.05.2013

‣ Bildnis Ruth Rupp

© MWJ

04.01.2011

Familienbildnis

Lasur- und Mischtechnik auf Leinwand auf Holz, 1,85 x 1,93 m


Ulrich Tukur, Katharina John Im Dezember 2014 besuchten wir Venedigs Giudecca, die ehemalige Arbeiterinsel gegenüber vom Markusplatz. Hier findet man noch Reste venezianischer Normalität und unverstörten Alltags. Die Städtische Galerie Tre Oci präsentiert gelegentlich großartige Fotoausstellungen.

Dort stand er im Regal, der Fotoband 'NeoRealismo - la nuova immagine in Italia 1932-1960'. Eine umwerfende Zeit für die Schwarweißfotografie. Auf dem Titel des Bandes ein Foto von Tranquillo Casiraghi - Gente della Torretta. ‣ Zur Fotografie. Nie zuvor hatte ich dieses Foto gesehen. Mir stockte der Atem. Seltsam, ich verstehe es bis heute nicht. Dieses Foto ergriff mich zutiefst und sprach: 'In ähnlicher Komposition wirst Du Katharina und Ulrich malen!' Wir kauften zwei Kataloge. Einen für Katharina. Sie ist Fotografin, wohnt nur wenige hundert Meter entfernt am gleichen Fundamente. Ich liebe ihr fotografisches Werk.

Meine Bildidee wurde akzeptiert. In derartigen Momenten bin ich sehr glücklich. Auch Bärbel, meine Muse und Frau stimmte zu. Vermutlich werde ich neun Monate an der Tafel arbeiten. Bis zur Geburt des Bildes werde ich alles aufbringen, was es von mir verlangt. Lust, Liebe, Selbstzweifel, Geduld, Lebendigkeit, Verlorenheit, Hoffnung und Zuversicht.

Katharinas Mann ist Schauspieler, Musiker und Autor. Es wird schwierig sein, einen gemeinsamen Termin fürs Modellsitzen zu finden. Sechs Monate später trafen wir uns in einem Hamburger Hotel beim Kaffee. Da war nur ein Problem. Die geplanten Kostüme der beiden waren nicht am Ort. 'Wir flogen über Brüssel, dort war Bombenalarm. Unsere Koffer sind noch nicht da. Was nun?' erzählte Uli. Also ein neuer Termin. Dann treffen wir uns im Frühjahr 2016 bei Euch ganz entspannt in Venedig. Katharina entdeckte zwischenzeitlich auf der Insel eine geeignete Wand für den Hintergrund des Doppelportraits. Ich liebe es, wenn die zu Portraitierenden mitspielen. Dann wird das Bild zur gemeinsamen Inszenierung.

Glücklicherweise hatten beide, nach Jahren der Trauer über den Tod ihres Hundes Toto, gerade einen neuen erworben. Unter dem Pianohocker lag nun die acht Wochen alte Eurasierhündin Peppina. Sie trug die gleiche Haarfarbe wie ich. Meine innere Stimme sagte mir: Sie gehört ins Bild. Ich male ein Familienbildnis mit drei eigenständigen Persönlichkeiten!

Wir nahmen uns einen Caféhaus-Stuhl namens 'Kafka' und schlenderten durch den Sonntagnachmittag über die Giudecca hin zur maroden Wunschwand. Durch Bäume flackerten sonnige Lichtflecken. Reste eines tiefroten Wandanstrichs erweckten den Eindruck von heruntergelaufenem Blut. Anwohner bewunderten die junge Peppina mit den Blicken von Großmüttern, die erstmals ihr Enkelkind sehen.

Nach wenigen Stunden hatte ich die Fotoskizzen, die ich mir für mein lebensgrosses Familienportrait erträumt hatte. Welch eine Freude! Am Abend gingen wir essen. Es gab interessante Gespräche voller Leichtigkeit und schweren Rotwein.

Die Untermalung trocknet. Auf der Bildtafel folgen bald die farbigen Lasuren. Ich arbeite dran.

Ein Klick auf das Bild führt zur Bildentstehung
© MWJ – Wismar, 01.06.2017

Bosse im Wald

Lasur- und Mischtechnik auf Leinwand auf Holz, 0,85 x 0,90 m, 2016/17


Bosse Einst, ich war knapp vier Jahre alt, fand ich beim Spielen im Wald, unter herbstlichem Laub verborgen, einen hellen verwitterten Tierschädel. Diesen trug ich am Abend als frisch geputztes Fundstück stolz nach Hause ins elterliche Wohnzimmer. Mein Vater meinte: Das war eine alte Sau, eine Wildsau.
Ich straunte. Was? Ja, das war einst ein lebendes Wildschwein.

Wildschweine hatte ich schon oft von weitem gesehen. Wir wohnten am Waldrand. Mein Opa hatte mir erzählt, dass Wildschweinmänner große Zähne an den Seiten haben mit denen sie gern Kinder aufpieken. Ich hatte große Angst vor ihnen. Sie erschienen mir immer wütend, auch unzufrieden, konnten verdammt schnell laufen und wühlten vor Neugierde viel umher. In einem Alptraum jagten sie mich noch Jahrzehnte später durch den dunklen Wald.

Aber das hier sollte der Rest von einem Wildschwein sein? Es erfüllte mich mit Trauer. Mehr sollte nicht bleiben wenn Tiere sterben? Oh es sind schon noch ein paar Knochen mehr. Du hast nicht alle gefunden.
Meine leise Frage war: Und wir, wir Menschen, was bleibt von uns? Mmh, so die Antwort, wer weiß das schon so genau.

Es gab Abendbrot und ich verstummte für den Rest des Tages.

Das war meine erste Begegnung mit dem Tod. Viele weitere sollten folgen. Aber an diese erste intensive fühle ich mich oft erinnert und wollte diese Erfahrung eines Tages in einem Bild erzählen. So suchte ich lange nach einem staunenden, knapp vier Jahre alten Jungen. Ich wollte nicht mich malen.

Von einem Spaziergang mit Schwiegermutters Hund brachte meine Frau mir vor einigen Jahren einen vom Hund gefundenen Wildschweinschädel mit. Ein Ameisenhaufen war nicht in der Nähe, also kochte ich den Schädel ab. Es stank fürchterlich.

Den Jungen in meinem Bild traf ich Jahre später.
Es ist der Sohn eines Kollegens meiner Frau. Er saß für dieses Bild im Atelier mit dem Wildschweinschädel Modell. Ihm erzählte ich meine Geschichte und dass der Schädel noch viele Jahre in einem Regal meines Kinderzimmers zu sehen war. Irgendwie standen ihm die Haare zu Berge und ich sah einen Mix aus Staunen und Erschütterung.

Jetzt, wo er, Bosse, das Bild entstehen sieht, meint er: Du malst mich, aber ich saß doch gar nicht, nie saß ich in so einem Wald mit dickem Baum. Das war doch in deinem Atelier.

Ja, so ist Malerei. Alles ist möglich und irgendwie ist jedes Bild auch ein Selbstbildnis. Ich arbeite dran.

Ein Klick auf das Bild führt zur Bildentstehung
© MWJ – Wismar, 17/06/2017

Bremer Hahn

Lasur- und Mischtechnik auf Leinwand auf Holz, 1,58 x 1,06 m, 2016/17


Brema Im Jahr 2013 zog ich von Hamburg nach Bremen. Auch mir fiel damals sofort das Märchen mit den Bremer Stadtmusikanten ein. Ihr lebensbejahender Spruch 'Etwas besseres als den Tod findest du überall!' ist großartig.

Allerdings kamen Esel, Hund, Katze und Hahn nie bis Bremen. Die steinalte A Cappella Band annektierte ein Räuberhaus im Wald weit vor den Toren der Stadt. Seitdem leben sie mietfrei im Speckgürtel, musizieren erfolgreich auf Bremer Bühnen, benutzen Bremen im Bandnamen und bezahlen keine Steuern im Stadtstaat. Das hanseatische Bremen schmückt sich trotzdem gern mit diesem Märchen und den vier Steuerflüchtlingen aus der Hausbesetzerszene.

Die einst umstrittene Bronzeplastik der Stadtmusikanten von Gerhard Marcks aus dem Jahr 1953 steht stolz in Wahrzeichen-Konkurrenz zum Roland vor dem Bremer Rathaus. Jeder Asiate hat sie mindestens einmal aufgeregt berührt.

Bremen ist das kleinste deutsche Bundesland und bereits seit vielen Jahren hoch verschuldet.
Zu diesem Thema wollte ich gern etwas malen. Aber wie? Ein Pleitegeier vor dem Rathaus wäre trivial. Zu Geld habe ich nachweislich ein gestörtes Verhältnis, gehört also auch nicht ins Bild, und bloß keine Regional- oder Tagespolitik, so waren meine Gedanken.

Aber es gibt die Redensart 'Federn lassen'. Diese umschreibt den Zustand des Schaden Erleidens, des Geschädigt Werdens, meint, dass jemand Nachteile hinnehmen muss. Zu diesem Sinnbild suchte ich etwas für mein Bild zum Thema 'Verschuldung der Stadt Bremen'. Der Zufall wollte es, dass ich auf eine Zeichnung des großartigen englischen Tiermalers George Stubbs stieß. Eine sehr seltsame Zeichnung, 40,6 x 56,5 cm groß, erstellt im Spätbarock. Als hätte Stubbs sie speziell für mein Thema gezeichnet. ‣ Hier ist sie zu sehen.

Da war er plötzlich, der Hahn der Bremer Stadtmusikanten, der wegen der immensen Verschuldung der Stadt symbolisch Federn lassen musste. Er eilt, fast schwebend, auf steinigem Weg. Seiner Haltung sieht man die innere Verfassung nicht an. Er wurde nicht fett vor Frust, blieb sportlich und athletisch. Stolz und verschuldet. Ein nackter Hanseat ohne Federkleid.

Mein Dank gilt meinem Kollegen George Stubbs, der die Vorzeichnung zu meiner Bildtafel bereits um 1800 fertigte. Respekt. Ohne diese hätte es meine Verschuldungsgeschichte in dieser Form nie gegeben. Im Hintergrund werden später die aufgetürmten Stadtmusikanten ohne Hahn vor dem Rathaus erscheinen. Ich arbeite dran.

Ein Klick auf das Bild führt zur Bildentstehung
© MWJ – Bremen, 11.04.2017

Pietà

Lasur- und Mischtechnik auf Leinwand auf Holz, 0,80 x 2,00 m, 2014


Pieta

Die Auseinandersetzung mit Kommen und Gehen, Liebe, Verlust, Trauer, Leid und Tod ergreift irgendwann jeden Menschen. Gewollt oder ungewollt. Sie ist Bestandteil unseres Seins und trägt sicher unsere unumgängliche irdische Vergänglichkeit als Ursache in sich. Dass sich Gläubige diesem Thema spirituell annehmen ist nachvollziehbar. Seit es den Menschen gibt, setzt er diese Prozesse, Werte und Inhalte gestalterisch um. Otto Dix sagt 'Die alten Themen sind die Besten'.

Je unruhiger sich mein Umfeld gestaltest, je hektischer die Gesellschaft sich formt und wandelt, die Demokratie in ihre Krise gerät, desto grösser wird meine Sehnsucht nach Ruhe und Andacht. Im letzten Jahr sah ich in Porto das Bild Mártir Cristão von Joaquim Vitorino Ribeiro aus dem Jahr 1879.‣ Hier ist es zu sehen.

Wir, die Besucher des Museums, standen leise und andachtsvoll vor der Bildtafel. Sie berührte. Unfassbare Andacht. Stille. Meine innere Stimme sagte mir später: Das ist die Idee für eine eigene Pietà. Irgendwann male ich ein eigenes Andachtsbild. Gleiches fühlte ich schon oft beim Anblick der Werke von Giovanni Bellini in Venedig.

Als dann Monate später bei einer Modellsitzung zum Thema Lucretia mein Modell, des Inhalts wegen der Ohnmacht nahe, sich aufs Sofa legte und das getrunkene Wasserglas absenkte, war die Idee geboren. Das Glas ist leer und wird gleich zu Boden fallen. Und da waren die aufstrebenden Linien wie bei Ribeiro. Die Haare flossen dahin wie gelebtes Leben. Das Tattoo schlich sich als Tod in die Wesenheit und entrückte die Figur auf seltsam schwebende Art dem Jetzt.

Die nächsten Monate gehörten dem Thema Pietà. Warum sollte ich das mittelalterliche Thema nicht transformieren mit einem Menschen von heute? Oft dachte ich, vielleicht ist es die zurückgelassene Maria selbst. Der Gedanke gefiel mir und ich verlieh, trotz der gewählten Kälte des Bildes, dem Inhalt etwas Entschwebendes. Sofa, Stiefel und Kostüm sind eine merkwürdige Mischung verschiedener Zeiten und Inhalte. Willkommene Gründe für Irritation.

Reaktionen auf die Tafel gab es bisher nur im Atelier. Auffällig ist die Stille, die das lebensgroße Bild auslöst. Auch bei Menschen die nicht aus unserem Kulturkreis stammen. Meinungen und Äusserungen zur Tafel: Lebt sie noch? · Ich sehe die Schönheit des Seins, den vergehenden Schmerz und die Erlösung. · Woran ist sie gestorben? Am Verlust? · Hat sie sich vergiftet? · Ist ihre Seele noch hier? · Da schwingt auch eine erotische Komponente mit. Seltsame Mischung. · Der Welt entrückte Andacht. · Sehr sanft entschwebend. · Welch eine Ruhe. · Vielleicht auf der Party liegen geblieben? Es gab auch empörte Newsletter-Abbestellungen aus den Vereinigten Staaten.

Ein Klick auf das Bild führt zum Video über die Bildentstehung
© MWJ – Bremen, 23.07.2014

Fehlende Bodenhaftung

Lasur- und Mischtechnik auf Leinwand auf Holz, 1,00 x 0,73 m, 2012/13


Fehlende Bodenhaftung Wie alle Großväter sagte auch meiner mir einst Gelassenheit fürs Alter voraus. Gilt das ebenso für die Politik? Ja, beruhigte er mich als Jugendlicher. Walter Ulbrichts Politik zum Beispiel brachte ihn in meiner Kindheit zur Weißglut. Schon wenige Jahre später schmunzelte er: Diesen alten Ziegenbock kann man doch nicht ernst nehmen.

Trotz aufkommender Gelassenheit stellt sich bei mir keine Gleichgültigkeit gegenüber politischen Tendenzen ein. Sollte ich als Maler politische Entwicklungen reflektieren? Die Antwort in mir lautet immer wieder: Bitte keine Tagespolitik. Such dir Metaphern!

In der venezianischen Accademia sah ich vor zwanzig Jahren erstmals die 'Madonna degli Alberetti' von Giovanni Bellini. ‣ Hier ist sie zu sehen, die Madonna mit dem Jesuskind gemalt 1487. Großes Theater vor einem einfachen Vorhang. Eine fesselnde Inszenierung, eine simple und zugleich geniale Bildidee. Für meine Stilleben entlehne ich diese gelegentlich.

Aus einem mehrwöchigen Venedig-Urlaub zurückgekehrt, sah ich in einem Tonkrug unserer Küche Kartoffeln keimen. Es waren recht lange Keime. Die Kartoffeln hatten ihre letzte Energie in der Hoffnung auf Zukunft geopfert. Leider werden sie in Kürze ohne Erdung vergehen. Ihnen fehlt die Bodenhaftung. Aber zuvor zeigen sie sich in gelber, grüner und purpurner Schönheit. Ein verzweifelter Griff nach Licht dem Tod entgegen. Es bot sich mir eine ebenso fesselnde Inszenierung wie die der Madonna mit dem Kind.

In der Politik geht es zunehmend weniger um Inhalte. Posten und Macht sind das Ziel, oft durchwachsen von gefährlicher Leere. Ein hilfloses Gerangel auf kalter Bühne in Richtung Kamera. Minister sind vielfach zu jung und unerfahren. Ihnen fehlen Geschichte, diplomatische Erfahrung und Gelassenheit. Und sie haben ein Zuviel an Glanz und einstudiertem Dauerlächeln. Ihnen fehlen ebenso wie meinen Kartoffen die Bodenhaftung. Und so vergehen sie recht schnell.

Da war die Metapher. Ein unförmiger roter Ziegelstein auf grünem Marmor wird zur Bühne für die letzte Reise. Bald kommen Asseln und Spinnen. Tod und Teufel wirken bereits im Hintergrund. Die Schönheit trügt. Es ist ein kurzes trauriges Aufbäumen, bevor der Vorhang fällt und der Grashüpfer weiter zieht. Wohl denen, die Erfahrung und Geschichte in sich tragen, denen die Bodenhaftung für die Zukunft gegeben ist. Diesen Menschen und Kartoffeln wünsche ich ein langes, erfülltes Leben voll farbenfroher Blüte und Schönheit.

Ein Klick auf das Bild führt zur Bildentstehung
© MWJ – Hamburg, 23.05.2013

Bildnis Ruth Rupp

Lasur- und Mischtechnik auf Leinwand auf Holz, 1,02 x 1,00 m, 2011


Ruth Rupp Ruth Rupp sah ich 2004 erstmals auf der Bühne des St. Pauli Theaters in der Dreigroschenoper mit Ulrich Tukur als Mackie Messer. Sie sang, nach einer Idee von Katharina John, in der Rolle einer Alt-Hure die Schlussszene und erntete somit allein auf der Bühne stehend den gefährlichen Schlussapplaus des Stückes. Die Hälfte des Publikums heulte vor Rührung. Ich auch. Und ich schwor mir, wenn mir diese kleine Dame eines Tages über den Weg läuft, so werde ich sie ansprechen.

Sechs Jahre später, im Hamburger St. Pauli Theater, hörte ich im Gehen eine lachende erwachsene Frauenstimme rufen: Verdammt, nun kippt mir wieder einer dieser Typen Rotwein in mein Dekolleté nur weil ich so klein bin. Mein Glas stoppte nur wenige Millimeter schräg vor ihr. Ich sah auf eine 154 cm große Frau. Wir saßen noch lange plaudernd im leeren Theater. Andere feierten an der Bar die Eröffnung der neuen Spielsaison, wir verabredeten uns. Ruths Worte: Wenn Du schon sechs Jahre hinter mir her bist, dann müssen wir das jetzt aber auch mal machen, das mit diesem Portrait.

Nach einer Woche saß sie erstmals bei mir im Blankeneser Atelier. Ruth ist nun 85 Jahre alt. Nachdem sie acht Jahre lang ihre kranke Mutter gepflegt hatte, entdeckte sie mit neunundsiebzig Jahren das Schauspiel. Zunächst die Bühne und gelegentlich auch Film.

Vor dem Krieg studierte sie Musik und Gesang. Im zweiten Weltkrieg stand sie als Mädchen in Hamburg an der Flak. Unvorstellbar. Später war sie Kindermädchen für Landkarten-Falk in Blankenese. Dessen Tochter fand sie, nach 49 Jahren, durch mein gemaltes Portrait über Google wieder. Das ist doch Ruth, mein Kindermädchen von einst. Ein Telefonat: Kann es sein? Ja! Nun besuchen sie sich von Zeit zu Zeit und sind zum zweiten Mal befreundet.

Ruth Rupp, Heaven Can Wait

Somit ist Malerei wohl doch nicht ganz so sinnlos.

Ein Klick auf das Portrait führt zur Bildentstehung
© MWJ – Hamburg, 04.01.2011